Regional
Großer Erfolg der kleinen Schritte: Waldschule Grimma ist Vorreiter in der Ausbildung von geistig Behinderten
Grimma. Waldschule wird die Bildungseinrichtung in Grimma-Süd im Volksmund genannt. Sie ist aber eine Schule für geistig Behinderte mit sehr stark ausgeprägtem integrativen Charakter, in der gegenwärtig 54 Schüler in sechs Klassen unterrichtet werden. Dieses Haus steht sinnbildlich auf drei Säulen und wird somit getragen vom Landkreis Leipzig, dem Förderverein „Freunde der Waldschüler“ sowie von zahlreichen Sponsoren.
Überdacht wird es mit einem Konzept der Lehrer und pädagogischen Unterrichtshilfen sowie Erzieher und Betreuer, das sich am „Erfolg der kleinen Schritte“ orientiert, wie es Carla Horny von der Waldschule formuliert. Dank der Schulpflicht für alle Kinder werden auch die geistig behinderten Kinder mit sechs Jahren eingeschult. Sie können dann die Unter-, Mittel- und Oberstufe absolvieren, bis hin zur Werkstufe, mit dem Ziel einer geeigneten Form der Berufsausbildung. Ursprünglich war dieses Haus eine kombinierte Einrichtung - Kindergarten und Kindergrippe – die zu DDR-Zeiten vornehmlich in solchen Neubaugebieten wie das in Grimma Süd aus dem Boden gestampft worden sind. Im Jahre 1991 wurde dieses Gebäude zum Domizil der geistig behinderten Schüler, die bis dahin in Höfgen ihre Heimstadt hatten. Dort formierten sie sich schon 1990 als erste Förderschule für geistig behinderte Kinder im Freistaat Sachsen, womit sie eine Vorreiterrolle übernahm.
Den Namen „Waldschule“ haben sich die Hausbewohner 1993 feierlich an die Tür geschrieben und 1999 begann der zweckmäßige Gebäudeumbau. Im Zuge einer umfangreichen Sanierung als Niedrigenergiehaus wurde aus der Bildungseinrichtung 2006 eine Ganztagsschule mit zahlreichen kreativen und sportlichen Angeboten. Große Unterstützung findet die Waldschule durch das Engagement der etwa 60 Mitglieder im Förderverein „Freunde der Waldschüler“. Er übernimmt viele Aufgaben im Verborgenen, die der Schulträger nicht leisten kann. Sichtbares Beispiel sei aber die Gestaltung der Außenanlagen besonders nach der Gebäudesanierung, erklärt Vereinschef Olaf Buchheim. Stolz verweist er auch auf den vom Verein ausgelobten Förderpreis für besondere Schülerleistungen, der im Rahmen der alljährlichen Projektwoche verliehen wird. Vorzeigeprojekt aber ist der Snoezelraum, wie er zwar von Beginn an existiert, aber in seiner jetzigen Form und mit moderner Technik ausgestattet quasi die Vollendung darstellt, wenn es um die Verbesserung von sensitiven Wahrnehmungen der Kinder geht.
Doch all das kostet neben Engagement viel Geld. Und hier kommt die dritte Säule der freiwilligen Geldgeber zum tragen. Die Liste der Sponsoren ist lang und stellt in ihrer Aufführung von oben nach unten mitnichten eine Wertigkeit dar. Vielmehr ist dieses Miteinbringen in die Arbeit der Waldschule ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber geistig Behinderten. Und so gelingt es sowohl dem Förderverein als auch den Sponsoren, dass die Schule mit ihren Pflichtaufgaben nicht alleine dasteht. „Dann würde sie als reiner Dienstleister verkommen“, stellte Peter Heinig vom Lions-Club Grimma fest. Überdies plädiert er dafür, es nicht auf das Geldgeben zu beschränken, sondern damit eine Brücke zu schlagen, um gesponserte Projekte zu begleiten und um gemeinsame Erlebnisse zu haben. F. Schmidt
Bild: Der Snoezelraum zur Verbesserung von sensitiven Wahrnehmungen der geistig behinderten Kinder ist mehr als nur ein Hingucker in der Waldschule, den Peter Heinig von Carla Horny und Olaf Buchheim (v.l.) vorgestellt bekommt. Foto: F. Schmidt
13.02.12, 11:02







