Regional
Vergangenheit und Zukunft unter einem Dach: Um- und Ausbau von Schloss Grimma als Justizgebäude verlaufen planmäßig
GRIMMA. „Wir liegen im Plan und halten die Gesamtkostenrechnung von 14,5 Millionen Euro ein“, beginnt Gerlinde Berndt ihre Ausführungen zum derzeitigen Stand der bis Ende dieses Jahres laufenden Bau- und Sanierungsarbeiten am und im Schloss Grimma. Die Bereichsleiterin im Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) führt dabei nur durch einen Teil des historischen Gebäudekomplexes, der nach Fertigstellung in seiner Gesamtheit dem Amtsgericht Grimma zur Verfügung stehen wird und einer Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Leipzig.
Die ehrwürdigen Mauern sind im 15. Jahrhundert als Nebenresidenz des sächsischen Fürstengeschlechts der Wettiner erbaut worden. Albrecht der Beherzte wurde als Stammvater der albertinischen Linie gar hier 1443 geboren, woran eine Gedenktafel im Hof erinnert. Wo genau in den Mauern die Wiege des Animosus stand, vermag Gerlinde Berndt nicht zu sagen. Sie kennt aber bestens den zukünftigen Weg in den historischen Sitzungssaal. Der führt in die noch fiktive Glashalle, wie sie aber als zentraler Eingang in Form eines modernen Ergänzungsbaues zwischen Kornhaus und Turmruine entstehen soll. In der Turmruine selbst, die in ihrer jetzigen Form erhalten bleibt, wird ein eigenständiges Haus erbaut, als Poststelle und mit einem Durchgang über einen Glasverbindungsgang zum Schloss. Im Kornhaus, in dem seit 1880 das Amtsgericht ansässig war, befindet sich auch besagter Sitzungssaal, der schon jetzt so etwas wie ein Aushängeschild für die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten darstellt. Die Optik des etwa 60 Quadratmeter großen Raumes wird zum einen durch die originalgetreu hergestellte Holzdecke aus schiffsgekehlten Balken geprägt. Zum anderen aber durch einen etwa 40 Zentimeter hohen und circa 38 Meter wandumlaufenden Wandfries, den Restaurator Volkmar Voigt nach historischen Vorlagen wieder anlegt. Er verwendet dafür Zellleimfarbe in Grün-, Rot- und Gelbtönen, um dem Original sehr nahe zu kommen. Für Voigt eine „Prestigearbeit mit sehr hohem Schauwert“.
Ebenso ist zu erkennen, in welcher Höhe eine Holztäfelung angebracht wird, wie es sie als Farb- element schon gab, nun aber einen praktischen Nutzen erfüllen soll, denn dahinter werden diverse Kabel und Lüftungsgegenstände verschwinden. Während die Bauhülle, also Fassaden und Dächer, fertig sind, werden ganz besonders im Kornhaus die Bautätigkeiten vom Innenausbau bestimmt. Putzarbeiten, das Setzen von Leichtbauwänden sowie das Einbringen von Zwischendecken stehen auf dem Arbeitsprogramm. Ebenso Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallationen.
Nur einige wenige Räume im Erdgeschoss stellen sich weitgehend als fertig dar. Etwa der Sozialraum für die Mitarbeiter des Hauses und ein Sanitätsraum. Aber auch drei Lagerräume, die einst als Gefängniszellen dienten und noch immer mit den originalen Holztüren zugesperrt werden. Dass die damaligen Insassen um 1750 viel Zeit gehabt haben müssen und zudem noch kreativ waren, bezeugen Wandmalereien, die erhalten werden konnten, zum Beispiel Jesus am Kreuz mit einer Schale und einem Kelch zu dessen Füßen. Aber auch mehr oder weniger kluge Sprüche. Kostprobe gefälligt? „Hier sitze ich im Wolkenhimmel und scheiße in das Weltgetümmel“. Übrigens: Räume mit schwedischen Gardinen wird es auch wieder geben, als sogenannte Vorführzellen mit heutigem Standard. Frank Schmidt
im Bild: Restaurator Volkmar Voigt legt im historischen Sitzungssaal einen Wandfries an, der für ihn hohen Schauwert hat und für den Bauherren schon jetzt eine Art Aushängeschild für die Sanierungsarbeiten im Schloss Grimma ist. Foto: Frank Schmidt
19.02.12, 06:02






